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IKT-eNewsletter Januar 2008
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IKT-Newsletter

IKT-LinerReport 2007:
Schlauchliner-Qualit�t besser als im Vorjahr

Sonderdruck bi UmweltBau 1/08:
IKT-LinerReport 2007
Quelle: bi UmweltBau 1/08
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Erfreuliche Entwicklung: Der diesj�hrige IKT-LinerReport vermeldet h�here Qualit�tsniveaus auf Baustellen. Pr�fergebnisse sind im Durchschnitt besser geworden. Die Qualit�tsdebatte zeigt Wirkung.

Der Schlauchliner-Markt durchlebt seit geraumer Zeit eine intensive Qualit�tsdebatte. Gut 25 Jahre nach Einf�hrung dieser Sanierungstechnologie in Deutschland wird lebendiger denn je diskutiert. Dies ist nicht verwunderlich, hat sich Schlauchlining doch als das f�hrende Renovierungsverfahren f�r Abwasserleitungen etabliert.

Es steht in direkter Konkurrenz zur Erneuerung und hat sich mittlerweile einen sehr ansehnlichen Marktanteil erk�mpft (ca. 20% des Gesamt- und ca. 80% des Renovierungsmarkts). Dieser Erfolg ist u.a. dadurch m�glich, dass man den Kunden gleich gute Eigenschaften und Lebensdauern wie bei Neurohren zusichert, dies aber zu meist geringeren Kosten.

Qualit�t sichert Wirtschaftlichkeit

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Linerprobe im
Drei-Punkt-Biegeversuch

Bei der Qualit�tssicherung haben Schlauchliner jedoch einen systembedingten Nachteil gegen�ber werksseitig produzierten Rohren. Sie werden vor Ort auf Baustellen hergestellt, also i.d.R. unter deutlich schwierigeren Produktionsbedingungen als in einem Rohrwerk.

Daher werden die Endprodukte einer strengen Qualit�tspr�fung unterzogen. Aus den ausgeh�rteten Linern werden Stichproben entnommen und im Pr�flabor untersucht. Denn: Werden bei einer Sanierungsma�nahme die zugesicherten Eigenschaften nicht erreicht, so wird die avisierte Nutzungsdauer fraglich und somit auch die gesamte Wirtschaftlichkeit der Sanierungsma�nahme.

Transparenz

Zu der kontroversen Qualit�tsdebatte tr�gt zweifelsohne auch der j�hrliche IKT-LinerReport bei, der hiermit zum vierten Mal vorgelegt wird. Ziel ist es, Transparenz zu schaffen und den Auftraggebern eine objektive �bersicht der tats�chlich erzielten Schlauchliner-Qualit�ten zu geben.

Dazu wird die umfangreiche Liner-Datenbank der unabh�ngigen und neutralen IKT-Pr�fstelle f�r Bauprodukte ausgewertet. Daraus ergibt sich ein umfassendes Gesamtbild der tats�chlich auf Baustellen erzielten Schlauchliner-Qualit�ten.

Datenbasis

Der IKT-LinerReport 2007 umfasst den Pr�fzeitraum Januar bis Dezember 2007 und beruht auf insgesamt knapp 1.000 Baustellenproben. Erstmals flie�en nicht nur Ergebnisse aus Deutschland, sondern auch aus dem europ�ischen Ausland ein � bei gleichen Pr�fstandards f�r alle.

Um statistische Ausrei�er zu vermeiden, sind nur Sanierungsfirmen ber�cksichtigt, f�r die mindestens 25 Linerproben von f�nf verschiedenen Baustellen vorliegen. Im Berichtszeitraum erf�llen 16 Sanierungsfirmen (siehe Tab. 1) diese Mindestanforderung, f�nf mehr als im Vorjahr. Bei Wiederholungspr�fungen gilt das zuletzt festgestellte Ergebnis, sofern diese Pr�fungen ebenfalls im IKT stattfanden.

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Tabelle 1: Sanierungsfirmen und Linersysteme

Soll-Ist-Analyse

Die eingesandten Baustellenproben werden in der IKT-Pr�fstelle auf zwei zentrale Schlauchliner-Eigenschaften hin untersucht: Standsicherheit und Wasser-Dichtheit. F�r erstere werden mechanische und geometrische Kennwerte bestimmt, im Einzelnen:

  • der Elastizit�tsmodul (Kurzzeit-Biegemodul),
  • die Biegefestigkeit (Kurzzeit-σfb) und
  • die Wanddicke.

Die ermittelten Kennwerte werden im Zuge einer Soll-Ist-Analyse mit vorgegebenen Mindestwerten verglichen. Eine Pr�fung ist bestanden, wenn der Sollwert nicht unterschritten wird. Die Ergebnisse sind in den Tab. 2 bis 4 aggregiert dargestellt.

E-Modul und Biegefestigkeit

Die Sollwerte f�r E-Modul und Biegefestigkeit beruhen auf:

a) den Kennwerten aus der allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung durch das Deutsche Institut f�r Bautechnik (DIBt), sofern das Linersystem das Zulassungsverfahren erfolgreich absolviert hat; bzw.

b) baustellenspezifischen Mindestvorgaben des Auftraggebers f�r seine konkrete Sanierungsma�nahme; diese k�nnen von der DIBt-Zulassung abweichen.

Wanddicke und Wasser-Dichtheit

Wanddicken-Sollwerte werden anhand statischer Berechnungen festgelegt oder vom Auftraggeber vorgegeben. Die Eigenschaft Wasserdichtheit wird heutzutage nach der APS-Pr�frichtlinie (vgl. www.ikt.de) bestimmt. Dabei lautet das Resultat entweder �dicht� oder �undicht� (Ergebnisse siehe Tab. 5).

Vertragliche Vereinbarungen

Die mechanischen Sollwerte und die Anforderung der Wasserdichtheit sind �blicherweise Bestandteil der vertraglichen Vereinbarung zwischen Auftraggeber und Sanierungsfirma. Immer mehr Vertr�ge sehen f�r den Fall der Sollwert-Unterschreitung bzw. Undichtigkeit genau festgelegte Sanktionsmechanismen vor, zum Beispiel in Form von Nachbesserungspflichten oder Preisabschl�gen. Daher kommt den Laborpr�fungen von Schlauchlinern eine gro�e Bedeutung zu.

Die Pr�fkriterien im �berblick

E-Modul (Kurzzeit-Biegemodul)

  • Schlauchliner m�ssen tragf�hig sein gegen Lasten wie Grundwasser, Stra�enverkehr, Erddruck
  • Elastizit�tsmodul ist ein Kennwert f�r Tragf�higkeit
  • ist er zu gering, kann Standsicherheit gef�hrdet sein
  • Pr�fmethode: Drei-Punkt-Biegeversuch nach DIN EN ISO 178 und DIN EN 13566-4

Ergebnisse: siehe Tab. 2

 

Wanddicke (mittlere Verbunddicke)

  • Mindestwert wird in der statischen Berechnung festgelegt
  • Wanddicke und E-Modul bestimmen gemeinsam die Steifigkeit des Liners
  • zu geringe Wanddicke kann Standsicherheit gef�hrden
  • Pr�fmethode: mit Pr�zisionsschieblehre wird mittlere Verbunddicke nach DIN EN 13566-4 gemessen

Ergebnisse: siehe Tab. 4

 

Biegefestigkeit (Kurzzeit-σfb)

  • kennzeichnet den Punkt, an dem Liner wegen zu hoher Spannung versagt
  • wenn Biegefestigkeit zu gering, kann Liner brechen, noch bevor zul. Verformung erreicht ist
  • Pr�fmethode: Laststeigerung im Drei-Punkt-Biegeversuch bis zum Versagen; nach DIN EN ISO 178 und DIN EN 13566-4 (Kurzzeit-Biegefestigkeit)

Ergebnisse: siehe Tab. 3

 

Wasser-Dichtheit (nach APS-Richtlinie)

  • Innenfolie einschneiden und Au�enfolie entfernen, sofern vorhanden
  • rot gef�rbtes Wasser innen auftragen
  • au�en 0,5 bar Unterdruck aufbringen
  • Liner ist undicht, wenn Wasser durchdringt
  • Pr�fdauer: 30 min.

Ergebnisse: siehe Tab. 5

 
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Linerprobe im
Drei-Punkt-Biegeversuch

Tabelle 2: Pr�fergebnisse Elastizit�tsmodul

Tabelle 3: Pr�fergebnisse Biegefestigkeit

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Einschneiden der Innenfolie
mit Schnitt-Tiefenbegrenzung

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Vermessung der Liner-Wanddicke

Tabelle 4: Pr�fergebnisse Wanddicke

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Dichtheitspr�fung: links undichter Liner, rechts dichter Liner

Tabelle 5: Pr�fergebnisse Wasser-Dichtheit

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Tabelle 6: Pr�fergebnisse nach Linertypen

Gesamtbild der Pr�fergebnisse 2007

Aus den Pr�fergebnissen 2007 ergibt sich ein insgesamt positiveres Bild als im Vorjahr. Bei allen vier Pr�fkriterien erh�hen sich die Mittelwerte �ber alle Proben um beachtliche 4 bis 9 Prozentpunkte (siehe Tab. 7).

Einen regelrechten Sprung nach vorne macht die Gruppe der Nadelfilz-Liner. Ihre Mittelwerte verbessern sich um rund 7 bis 15 Prozentpunkte, bleiben jedoch bei Wasser-Dichtheit, E-Modul und Biegefestigkeit unter den Gesamtmittelwerten. Lediglich bei der Wanddicke sind sie deutlich �berdurchschnittlich.

Auch die GFK-Liner verbessern sich im Durchschnitt, jedoch sind die Steigerungen hier deutlich bescheidener als bei den Nadelfilz-Linern, wenngleich von einem h�heren Ausgangsniveau. Sorgenkind bleibt wie in den Vorjahren die Wanddicke, die unter dem Gesamtdurchschnitt liegt.

Allerdings offenbart ein Blick auf die Einzelergebnisse (siehe Tab. 2 bis 5) z.T. sehr divergierende Leistungen der Sanierer. Manche Leistung wurde besser, andere schlechter als im Vorjahr. Gleiches gilt f�r die Aufschl�sselung nach Linertypen (siehe Tab. 6)

Tabelle 7: Pr�fergebnisse im Vorjahresvergleich

Fazit

Erfreulich ist das im Jahr 2007 insgesamt h�here Qualit�tsniveau bei Schlauchlinern. Inwieweit die Verbesserungen gegen�ber 2006 einen langfristigen Trend begr�nden oder lediglich Einmaleffekte sind, bleibt noch abzuwarten. Eine ganze Reihe von Signalen aus dem Markt deutet allerdings darauf hin, dass die Sanierungsfirmen die andauernde Qualit�tsdebatte sehr ernst nehmen. Es wird an Produkt- und Verfahrensinnovationen gearbeitet und die in den bisherigen IKT-LinerReporten aufgezeigten Schwachstellen werden zielgerichtet angegangen.

Diese konstruktiven Reaktionen der Sanierungsbranche sind ausdr�cklich zu begr��en und zu ermuntern. Denn eines ist sicher: die Auftraggeber wollen die Schlauchliner-Technologie. Auch in den n�chsten Jahren bleibt schlie�lich viel zu sanieren, und daf�r werden zuverl�ssige Verfahren ben�tigt. Doch sind Netzbetreiber bei der Qualit�tsfrage erheblich sensibler als in fr�heren Jahren � die Qualit�tsdebatte wirkt.



Dipl.-�k. Roland W. Waniek
Dipl.-Ing. Dieter Homann
IKT � Institut f�r Unterirdische Infrastruktur gGmbH
Exterbruch 1
45886 Gelsenkirchen
Tel.: 0209 17806-0
Fax: 0209 17806-88
E-Mail: info@ikt.de
Internet: www.ikt.de



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